18. Apr 2024

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Selbstbestimmung anstatt Fürsorge – ein Kulturwandel

Typisch Integral

Selbstbestimmung anstatt Fürsorge – ein Kulturwandel

Das war klar: Die Paritätische Akademie bietet ein innovatives Projekt zum Kulturwandel in der Eingliederungshilfe für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an. Und wer macht mit? Wir natürlich!

Mehr Teilhabe, Empowerment und Sozialraumorientierung - die teilnehmenden Organisationen sollen dabei begleitet werden, ICF-basierte Konzepte zu entwickeln: Also nicht mehr in Diagnosen zu denken sondern in Möglichkeiten, sprich Menschen mit Behinderungen nicht fürsorglich oder wie Kranke zu behandeln, sondern für sie und mit ihnen an der selbstbestimmten Teilhabe zu arbeiten. Ein neues Menschenbild, eine neue professionelle Haltung wird gefordert.

So neu ist das gar nicht, sondern für uns bedeutet das auch ein „zurück zu den Wurzeln“, denn INTEGRAL ist entstanden als Bürgerinitiative: Menschen mit und ohne Behinderungen wollten sich ein gleichberechtigtes, aktives, menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft erstreiten. Das war 1990 in der DDR.

Dieses Konzept wird bei INTEGRAL eigentlich bereits seit Jahren umgesetzt: so bestimmen Werkstatt-Mitarbeitende mit Behinderungen in der Metallwerkstatt von INTEGRAL seit Jahren wie ein Kundenauftrag bearbeitet oder eine Vorrichtung gebaut wird mit.
Doch das ist nicht genug. Gänzlich selbständige Teilhabe würde hier zutreffen, wenn z. B. die Mitarbeitenden auch in den gesamten Prozess der Planung und Abwicklung von Aufträgen mitbeinbezogen werden können.

Wie kann man dies gut umsetzen? Durch einen kontinuierlichen Wandel in der Unternehmenskultur.

Auch die Gestaltung dieser Veränderung soll bei INTEGRAL partizipativ erfolgen.
In Zusammenarbeit mit Werkstatt-Mitarbeitenden und BFB-Teilnehmenden begleitet ein Tridem den Kulturwandel bei INTEGRAL. Das Tridem besteht aus einer Psychologin, einem Bereichsleiter und einem Gruppenleiter. Sie kommen mit Menschen mit Behinderungen auf unterschiedliche Art in Berührung und bringen individuelle Ansatzpunkte mit. Sie werden zum Thema Kulturwandel in der Eingliederungshilfe drei Jahre lang ausgebildet.

Was läuft heute 35 Jahre später gut und was muss sich weiter entwickeln?

Woran merkt man im Alltag, dass wirklich alle (mit oder ohne Beeinträchtigung) mitbestimmen können? Diese Fragen hat sich das Tridem gestellt und dazu für alle Integraler*innen einen Fachtag im März als gemeinsamen Anfang organisiert.

Ein erfahrener Dozent erläuterte uns, was die großen Begriffe wie Empowerment, Personenzentrierung, Sozialraumorientierung, ICF und funktionale Gesundheit bedeuten.

Wie können wir kommunizieren, dass viele verstehen? Was heißt inklusiv und personenzentriert arbeiten? Wie können alle mitbestimmen? Sind wir alle gleich? Wie schaffen wir alles mit knappen Mitteln und wenig Zeit?

Um diese Fragen zu beantworten, tauschten sich dann 100 Integraler*innen mit und ohne Beeinträchtigung in Workshops aus. Schwarmkompetenz bringt meterweise gute Ideen auf Tapetenrollen hervor!

Der erste Schritt ist gemacht - ins Gespräch kommen, sich dafür interessieren, was andere denken.

Jetzt heißt es: Dranbleiben! Geduld verleiht uns einen langen Atmen - auch typisch INTEGRAL.


#Organisationsentwicklung, #Teilhabe, #Empowerment, #Personenzentirerung, #Sozialraumorientierung, #ICF, #Selbstbestimmung, #Eingliederungshilfe, #Kulturwandel


(Foto von M. Noack, Text redigiert von L. Marrocco)




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